Erwachsene in der Logopädie


Im Lebensverlauf kann es aufgrund verschiedenster Erkrankungen (z.B. Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Tumore, Morbus Parkinson, Demenz, ALS, MS) zu logopädischen Beeinträchtigungen kommen. Diese können beim Schlucken, Wortabruf, in der Aussprache, in Stimmproblemen, Gesichtslähmungen, einer Stottersymptomatik oder in der kognitiven Verarbeitung von zum Beispiel Handlungsabläufen auftreten. Oft treten mehrere logopädische Störungsbilder gleichzeitig auf. Dies kann zu größeren Einschränkungen im Alltag führen. Durch gezieltes Trainieren in unserer Praxis oder auch zu Hause, können wir Ihre Lebensqualität auf lange Sicht verbessern oder erhalten.

 

 

Aphasie


Aphasien sind Sprachstörungen, die nach Erwerb der Sprachentwicklung in Folge von z.B. einem Schlaganfall, einem Unfall oder durch Hirntumoren entstehen können. Die Heilungsprognose ist je nach Störungsbild und Schwere der betroffenen Menschen ganz unterschiedlich. Bei einer Aphasie sind meist mehrere Bereiche der Sprache betroffen. Diese können das Verstehen, die Sprachproduktion (Wortschatz, Satzbau) oder das Lesen sowie das Schreiben betreffen. Zusätzlich können weitreichende und teilweise lang andauernde Folgen für das familiäre, soziale und berufliche Leben der Betroffenen sowie ihrer Angehörigen auftreten.

Etwa 80.000 Menschen erhalten in Deutschland pro Jahr eine Aphasie. Bei mehr als 1/3 der Betroffenen bildet sie sich nicht vollständig zurück.

Zu den Symptomen zählen u.a.:

  • Sprachautomatismen (häufige Wiederholungen von immer gleichen Aussagen)
  • Satzteilverdopplungen/ -abbrüche, telegrammstilähnliche Sprache
  • Überschießender oder eingeschränkter Sprechfluss
  • Wortfindungsstörungen
  • Erhöhte Sprechanstrengung
  • Eingeschränkte Eigenwahrnehmung

Zu den allgemeinen Zielen gehört die Verbesserung der sprachlich-kommunikativen Fähigkeiten und die Förderung der aktiven Teilhabe am sozialen Leben. Evtl. können alternative Kommunikationsmittel (Sprachcomputer) bestellt werden. Ein angemessener Umgang damit gehört dann auch zu den Therapieinhalten. Auch Angehörigenberatung ist in diesem Bereich wichtig.

 

 

 

Sprechapraxie


Die Sprechapraxie ist eine Störung der Planung von Sprechbewegungen (Artikulation, Sprechmelodie und -rhythmus). Symptome dafür sind Ersetzungen oder Vertauschungen von Lauten, verminderte Sprechgeschwindigkeit, gedehntem Aussprechen von Vokalen und eine silbische Sprechweise. Betroffene sind mit ihrem eigenen Sprechen unzufrieden, zeigen Sprechanstrengung und mimische Mitbewegungen. Außerdem sind sie im Hals- und Gesichtsbereich verspannt und haben eine gepresste Stimme. Diese Störung kann aufgrund von z.B. einem Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder eine Folge eines Hirntumors entstehen.

In der Therapie wird die Artikulation behandelt und die orofaciale Muskulatur (Gesichts- und Mundmuskulatur) trainiert.

Demenz


In der Logopädie ist die Stabilisation der Lebensqualität von Demenzerkrankten ein wichtiges Ziel. Dabei wird die zunehmend schlechter werdende Kommunikationsfähigkeit trainiert. Auch das Training der kognitiven Fähigkeiten (z.B. Merkfähigkeit) ist ein wichtiger Bestandteil der logopädischen Behandlung. Die Betroffenen leiden früh an Wortfindungsstörungen. Im späten Krankheitsstadium kann Logopädie z.B. bei Störungen der Nahrungsaufnahme ebenfalls hilfreiche Strategien anbieten.

Dysphagie


Dysphagie ist eine Störung des Schluckens von fester und/oder flüssiger Nahrung bzw. Speichel. Sie entsteht nach neurologischen Ereignissen wie etwa einem Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder nach Tumorerkrankungen im orofacialen (Bereich um und im Mund) sowie laryngealen (Kehlkopf) Bereich. Sie äußert sich neben dem Verschlucken mit Aufstoßen und häufigem Husten anhand von gestörtem Kauen oder Herausfließen/ Aufstau von Speichel/ Nahrung. Betroffene leiden unter Druckgefühl und Schmerzen. Sie verlieren an Gewicht, haben Angst sich bei der Nahrungsaufnahme zu verschlucken, bekommen einen gurgelnden Stimmklang oder ein brodelndes Atemgeräusch.

Essen und Trinken bedeutet Lebensqualität. Wenn es in diesem Bereich Probleme gibt, ist das Wohlbefinden meist eingeschränkt (Scham, keine Lust). Häufiges Verschlucken kann zu Atemnot, Erstickungsanfällen, Bronchitis und Pneumonien (Lungenentzündung) führen. Manche Menschen nehmen aufgrund einer gestörten Sensibilität nicht wahr, dass sie sich verschlucken. Dann kommt es zu einer stillen Aspiration (Einatmung von Speisen oder Flüssigkeiten). Diese kann sehr gefährlich sein, da es z.B. zu einer Lungenentzündung kommen kann, die schlimmstenfalls bei einem geschwächten Immunsystem zum Tode führen kann.

In der Therapie gibt es drei Verfahren. Bei dem Restituierenden Verfahren (wiederherstellend/verbessernd) werden beispielsweise Übungen zur Sensibilisierung und Kräftigung der entsprechenden Muskeln trainiert. Die Kompensatorische Verfahren (Suchen nach Ersatzstrategien) beinhalten das Erlernen von Schlucktechniken. Zu den Adaptiven Verfahren (anpassend)  zählen das Darstellen sowie Einführen besondere Kostpläne und das Lernen mit dem Umgang mit speziellem Essensbesteck-/geschirr.

Bei einer Dysphagie kann eine Therapie lebensrettend sein. Sowohl der Patient, als auch die Angehörigen werden von dem Therapeuten beraten und in enger Zusammenarbeit mit den Ärzten behandelt, um die Lebensqualität und auch den gesundheitlichen Status zu erhalten oder zu verbessern.

Dysarthrie


Eine Dysarthrie tritt auf, wenn die Verarbeitung des Sprechens im Gehirn gestört ist, z.B. nach einem Schlaganfall, einem Unfall oder durch neurologische Erkrankungen wie Parkinson. Die Symptome können eine verwaschene und undeutliche Aussprache, eine Veränderung der Stimmqualität (Lautstärke, Sprechmelodie, Sprechtempo), Störungen des Sprechrhythmus und der Dynamik, sowie ein offenes Näseln sein. Auch die Sprechatmung kann beeinträchtigt sein. Je nach Schweregrad des Dysarthrie-Syndroms können noch Lippen-, Zungen-, Gaumensegel- und Kehlkopfbewegungsstörungen hinzukommen. Diese können auch zu Ess- und Schluckstörungen führen.

Therapie: Eine frühzeitige logopädische Behandlung ist sehr wichtig, um mit dem Betroffenen möglichst rasch nach der Erkrankung wieder die normalen Sprechbewegungen zu trainieren. So können sich auffällige Artikulationsbewegungen nicht verfestigen.

Fazialisparese


Eine Fazialisparese ist eine meist einseitige Funktionsstörung des Nervus facialis (Hirnnerv). Die Kaumuskulatur ist dabei nicht betroffen, da sie vom Nervus trigeminus versorgt wird.

Ursachen:
Häufig ist die Ursache unbekannt. Dann kann es nach drei bis acht Wochen zu einer Wiederherstellung der Funktion des Nervs führen. Andere Auslöser können u.a. Schlaganfall, Infektionen, Verletzungen, Tumore (Akustikusneurinom, Ohrspeicheldrüsentumor etc.), Autoimmunkrankheiten und angeborene Fehlbildungen sein.

Symptome:
Folge einer peripheren Fazialisparese ist die Schwäche oder vollständige Lähmung der mimischen Muskulatur. Der Mundwinkel hängt und der Mundschluss ist nicht oder nur teilweise möglich. Daher kann beim Trinken Flüssigkeit aus dem betroffenen Mundwinkel herauslaufen. Außerdem können die Patienten die betroffene Seite der Stirn nicht runzeln und das Auge nicht oder nur unvollständig schließen. Durch einen länger anhaltenden inkompletten Lidschluss kann es zu einer Schädigung der Hornhaut des Auges führen. Außerdem kann es zu einer Geschmacksstörung in den vorderen zwei Dritteln der Zunge und verminderten Speichelsekretion in Ruhe kommen. Auch eine erhöhte Geräuschempfindlichkeit auf der kranken Seite ist möglich. Bei einer zentralen Fazialisparese kann es zu einer Schädigung der mimischen Muskulatur der betroffenen Gesichtshälfte mit Aussparung der Stirnmuskulatur und des Lidschlusses kommen.

Therapie:
In der Logopädie gibt es verschiedene Konzepte. Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Erkrankung. Neben Kräftigungsübungen der mimischen Muskeln kann PNF (propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation) angeboten werden. Dabei erhält die Patientin/der Patient verschiedene Reize: Kälte, Druck, Dehnung, Vibration. Auch andere Therapieformen neben der Logopädie sind möglich.