Kinder


Während der individuellen Sprachentwicklung eines Kindes kann es zu verschiedensten Störungen kommen. Sie betreffen u.a. die mündliche, sowie die schriftliche Sprache, das Sprechen und die Stimme. Die Ursachen können, je nach Störung, vielfältig sein. Schon im Säuglingsalter kann es z.B. zu Problemen bei der Nahrungsaufnahme kommen, welche durch eine logopädische Behandlung gemindert werden können.

Neben der Arbeit an der logopädischen Störung an sich wird in der Therapie die Weiterentwicklung der Kommunikation und das Selbstbewusstsein des Kindes unterstützt.

Die logopädischen Inhalte werden spielerisch und kreativ vermittelt. Durch Hausaufgaben und Elternberatung soll ein Transfer des in der Therapie Gelernten in den Alltag ermöglicht werden.

In vielen Kindergärten werden Angebote zur Sprachförderung angeboten. Diese können für die Therapie vorbereitend oder begleitend genutzt werden. Allerdings sind Förderung in dem Sinne und logopädische Therapie nicht gleichzusetzen. Lassen Sie sich gerne bei uns beraten.

Außerdem bieten wir folgende Gruppenangebote an:

Myofunktionelle Störung


Eine Myofunktionelle Störung (MFS) beinhaltet eine Fehlfunktion der Muskulatur im Mund- und Gesichtsbereich. Durch das muskuläre Spannungsungleichgewicht sind Lippen-, Zungen- und Gesichtsmuskeln zu angespannt oder zu schwach. Oft sind mehrere Strukturen der Bewegungs- und Koordinationsabläufe, sowie die Gesamtkörperhaltung betroffen.

Folgende Symptome können auftreten und behandelt werden:

  • Auffällige Aussprache (z.B. Lispeln/ Sigmatismus)
  • Offener Mundstand, Mundatmung
  • Verkürzte Oberlippe
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Sensorische und motorische Defizite
  • Gestörte Kau-, Beiß- und Schluckentwicklungen
  • Zahn- und Kieferfehlstellungen

Infantiles Schlucken ist ein frühkindliches Schluckverhalten. Dieses Schluckverhalten hat jeder Mensch als Säugling. Bei diesem Schluckverhalten drückt die Zunge nach vorne gegen die Schneidezähne. Für den zahnlosen Säugling ist dies physiologisch, d.h. normal. Wenn Kinder jedoch zu lange einen Schnuller benutzen oder am Finger lutschen, gewöhnen sie sich dieses Zungenpressen dauerhaft an. Bei Vorschulkindern, Schulkindern und auch bei Jugendlichen kann das zu Zahnfehlstellungen und Verformungen des Kiefers führen.

Eine nicht behandelte Myofunktionelle Störung kann sich zu einer CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion), einer Kiefergelenkfehlfunktion, entwickeln. Hier ist oft die enge Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten hilfreich. Eine myofunktionelle Therapie wird häufig von Zahnärzten oder Kieferorthopäden verschrieben.

Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)


Betroffene Kinder der auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung haben kein organisches Problem mit ihren Ohren, vielmehr ist die zentrale Verarbeitung (im Gehirn) des Gehörten gestört. Folgende Bereiche können ihnen Probleme bereiten:

  • Störung der auditiven Aufmerksamkeit (z.B. sich dauerhaft auf den Lehrer im Unterrichtsgespräch konzentrieren zu können)
  • Deutlicher Leistungsabfall in der Schule im Verlauf des Unterrichts
  • Zunehmende Ablenkung & Ermüdung im Verlauf des Unterrichts
  • Fehlende Ausdauer bei verbalen Aufgaben
  • Ablenkbarkeit durch Geräusche
  • Unfähigkeit eine Schallquelle zu lokalisieren
  • Unfähigkeit, bei Störgeräuschen einem Gespräch zu folgen
  • Kind fragt häufig nach oder orientiert sich eher an Mitschülern
  • Kind verwechselt oft klangähnliche Wörter
  • Kind spricht verwaschen / nuschelt
  • Häufige Fehler beim Schreiben nach Gehör
  • Kind beschwert sich, wenn durcheinander gesprochen wird
  • Kind kann nicht gleichzeitig auf mehr als einen Sprecher achten
  • Bei Diktaten häufiges Nachfragen oder Auslassungen von Wörtern (geringer Speicher)
  • Kind verliert auffallend schnell das Interesse an vorgelesenen Geschichten
  • Kind kann zwei gleichzeitige Geräusche nicht voneinander trennen

Durch passive und aktive Übungen (z.B. Hörübungen bei Störschall) werden die Schwierigkeiten des Kindes individuell behandelt. Jedes Kind hat verschiedene Schwierigkeiten bei einer auditiven Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung. Bei intensiven Beratungsgesprächen mit den Angehörigen wird z.B. die Hörumgebung des Kindes verändert (in der Schule, Hobbys, zu Hause etc.).

Sprachentwicklungsstörungen


Während der kindlichen Sprachentwicklung kann es zu verschiedenen Störungen kommen. Diese können in der Aussprache, in Form von Fehlbildungen von Lauten (z.B. Sigmatismus -> Lispeln) oder durch konstantes oder inkonstantes Ersetzen oder komplettem Fehlen von Lauten beim Sprechen vorkommen. Ebenso kann es zu Problemen beim Grammatikerwerb oder zu Defiziten in der Wortschatzentwicklung kommen.

Beispiele:

  • Das Kind vertauscht Laute (Buchstaben) beim Sprechen oder lässt welche aus: /Tirche/ statt /Kirche/, /Metterling/ statt /Schmetterling/.
  • Dem Kind fehlen Wörter beim Sprechen („ähm…dings…“), es benutzt immer die gleichen Begriffe oder versteht einige Wörter nicht (holt z.B. die Socken statt der gewünschten Schuhe).
  • Das Kind kann keine korrekten Sätze produzieren („Mama holen Ball.“) oder hat Schwierigkeiten mit einzelnen Satzteilen (z.B. im Plural: „Vögels“ statt „Vögel“).

Nach einer Diagnostik wird in enger Zusammenarbeit mit den Angehörigen und dem Kind an den individuellen Defiziten spielerisch gearbeitet. In Form von Hausaufgaben (in der Therapie und zu Hause) lernt das Kind Schritt für Schritt, der normalen Sprachentwicklung entsprechend.

Late Talker


Wenn Kinder mit 24 Monaten keine 50 Wörter sprechen und/oder keine Mehrwortäußerungen produzieren, handelt es sich um Late Talker. Dies betrifft ca. 13-20% aller Zweijährigen.

Das wichtigste und durch die Forschung am besten bestätigte Kriterium zur Beurteilung des sprachlichen Entwicklungsstandes im Alter von 24 Monaten ist der Wortschatz eines Kindes. Ein Schwellenwert von 50 Wörtern sorgt für die sogenannte „Wortschatzexplosion“. Das bedeutet, dass zu diesem Zeitpunkt Kinder innerhalb kürzester Zeit mehrere hundert Wörter lernen. Mit einem Wortschatz von 50 Wörtern erwerben Kinder zudem die nötige Voraussetzung, durch Bildung von Zwei- und Mehrwortsätzen, in die Grammatik einzusteigen. Late Talker tragen das Risiko für eine sich möglicherweise entwickelnde Spracherwerbsstörung. Etwa 50% aller Late Talker können ihren Rückstand im Spracherwerb bis zum dritten Geburtstag aufholen und werden dann  „Aufholer“/ Late Bloomer genannt. Die anderen 50% der Kinder zeigen ab dem dritten Geburtstag eine behandlungsbedürftige, spezifische Spracherwerbsstörung.

Wenn Kinder als Late-Talker diagnostiziert werden, wird ihr Entwicklungsrisiko erkannt, auch wenn es bis dahin unsicher ist, ob sich eine Sprachentwicklungsstörung ergeben wird. Die frühzeitige Risikoerkennung ermöglicht eine Förderung der betroffenen Kinder in einer Lebensphase mit dem größten Entwicklungspotential, noch bevor sich eine Störung ausbildet.

Therapie:
Elternfragebögen dienen der Erfassung eines verspäteten Sprechbeginns. Sie beziehen sich auf die zur Risikoerkennung wichtige Wortschatzgröße des Kindes und auf den beginnenden Grammatikerwerb. Da ein verspäteter Sprechbeginn auch im Rahmen anderer Störungsbilder (wie bei genetischen Syndromen, Hör- und Sehbeeinträchtigungen, allgemeiner Entwicklungsverzögerung, neurologischen Erkrankungen) auftritt, sollten weitere Faktoren überprüft werden. Hierzu zählen die Sprachverständnisfähigkeiten, interaktive-kommunikative Fähigkeiten, der Status der Mund- und Gesichtsmuskulatur des Kindes, sowie die Erfassung möglicher Risikofaktoren (z.B. familiäre Veranlagung).
Durch eine früh einsetzende logopädische Therapie kann der Rückstand im Spracherwerb aufgeholt und präventiv Folgeprobleme vermieden werden. Außerdem können Eltern durch Beratung von ihrer Unsicherheit entlastet und unterstützt werden.

Behinderungen – Sprachauffälligkeiten bei geistigen und körperlichen (Lern-)Behinderungen


Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung mit unterschiedlichen Symptomen und Ausprägungsgraden. Betroffene Menschen zeigen ein auffälliges Verhaltensmuster („Sie leben in ihrer eigenen Welt“) mit einer ungewöhnlichen Art des Lernens und Denkens, die sich auf das zwischenmenschliche Geschehen auswirken und oft zu Missverständnissen und Verunsicherungen führen können. Die Diagnose muss von Fachärzten erstellt werden. Betroffene Kinder werden oft ganzheitlich in den Bereichen der Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie behandelt.

Menschen mit Mutismus sprechen entweder gar nicht oder nur mit bestimmten Personen nicht (selektiver Mutismus). Die sprachliche, kognitive, soziale und emotionale Entwicklung ist vom mutistischen Verhalten betroffen und bedarf ebenfalls einer zusätzlichen interdisziplinären Therapie. Weitere Auffälligkeiten können u.a. die Schüchternheit, innerfamiliäre Probleme, Sprachentwicklungsstörungen oder Angststörungen sein. Neben einer logopädischen Behandlung kann es sinnvoll sein, den Kindern psychische Unterstützung zu geben.

Die Lippen- Kiefer- Gaumen- Spalten (LKGS) können einseitig oder doppelseitig auftreten. Zur Schließung der Spalten, sowie zur Verbesserung der Muskelfunktionen finden in Abständen von der Geburt bis zum Jugendalter Operationen statt. Sind die Spalten weitgehend geschlossen, kann die logopädische Behandlung durchgeführt werden. Kinder mit einer LKGS haben oft ein offenes Näseln und eine schlaffe Muskulatur im orofacialen Bereich (Mund). Durch eine gezielte logopädische Behandlung kann dieses reduziert oder ganz abgebaut werden.

Kinder mit Down Syndrom können aus logopädischer Sicht in verschiedenen Bereichen therapiert werden. Je nach Schweregrad ist es sinnvoll, schon früh in der kindlichen Entwicklung mit der Therapie zu beginnen. Zu den Therapiebereichen zählen die Verbesserung des auditiven Kurzzeitgedächtnisses, das Erlernen von gebärdenunterstützter Kommunikation, die Verbesserung des hypotonen (schlaffen) Muskeltonus und Hilfestellung bei der Nahrungsaufnahme. Neben der Logopädie ist es sinnvoll interdisziplinär mit der Ergo- und Physiotherapie zusammenzuarbeiten.

Kinder mit ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) sind oft zerstreut und vergesslich. Sie haben Schwierigkeiten zuzuhören und wirken oft verträumt. Kinder mit ADHS (ADS mit Hyperaktivität) zeigen sich ruhelos und sind ständig auf „Hochtouren“. Sie sind leicht abzulenken, wirken unorganisiert und impulsiv, es fällt ihnen schwer, ihre Emotionen immer angemessen zu kontrollieren. Betroffene Kinder können oft ihre Eindrücke nicht richtig filtern und verarbeiten. Neben einer fachärztlichen Betreuung kann Logopädie bei der Sprachentwicklung hilfreich sein.

Kindliche Stimmstörungen


Viele Kinder, die zudem noch sehr lebhaft sind, fallen durch ihre Heiserkeit auf, ohne dass entzündliche Vorgänge des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs vorliegen. Der Sprechablauf ist aufgrund der Temperamentslage oft beschleunigt, so dass die Verständlichkeit der Sprache, die ohnehin keine natürliche Lautstärke mehr erreicht, insgesamt schlecht ist. Aufgrund der Stimmschwäche ist auch die Artikulation im Ganzen unklarer. Hier ist eine Stimmtherapie unbedingt erforderlich. Eine kindliche Heiserkeit kann, wenn man sie nicht logopädisch behandelt, zu einem dauerhaften Fehlverhalten der Stimme führen, so dass die Störung bis ins Erwachsenenalter anhalten und sich einschränkend auf die berufliche Laufbahn auswirken kann.

Therapie: Als erster Schritt hat in allen Fällen eine ausführliche Beratung der Eltern zu erfolgen, da andernfalls jede therapeutische Maßnahme durch fortgesetztes Fehlverhalten des Kindes und seiner Umgebung wieder aufgehoben wird. Zudem verkürzt sich der Übungsteil der Therapie durch sinnvolle Ratschläge.

Als zweiter Schritt sind Atem- und Stimmübungen notwendig, die dem kindlichen Wesen unmittelbar angepasst sein müssen. Wesentlich ist, dass die Übungen so mit dem Kind gespielt werden, dass es stets heiter und motiviert bleibt.

Um das Stimmverhalten des Kindes verändern zu können, muss zunächst ein bewusstes Hören vermitteln werden. Je eher das dem kleinen Patienten durch die Erfahrung der eigenen Stimme möglich ist, desto leichter ist die Veränderung der stimmlichen Aktivität beim Kind erreichbar.

Der dritte und schwierigste Schritt ist der Transfer in die alltägliche Sprechsituation durch häusliche Übungen, in denen die Eltern – je nach Alter des Kindes – mit einbezogen werden müssen. Die Stabilisierung der kindlichen Stimme bedarf, nicht anders als bei dem erwachsenen Patient, einer regelmäßigen, möglichst täglichen Übungsphase über den Zeitraum von mindestens einigen Wochen.

Kindliche Sprechapraxie, Verbale Entwicklungsdyspraxie


Bei der Artikulation sind lautliche Abweichungen bzw. Entstellungen von Lauten (z.B. einer übermäßig behauchten Aussprache des /t/) feststellbar, die zu einer unverständlicheren Aussprache führen. Teilweise kann es auch zu Ersetzungen oder Vertauschungen von Lauten, sowie einer Mischung von Fehlerarten kommen. Die Artikulationsstörungen betreffen oft den Anfang von  Wörtern bzw. Silben und sind vielfach mit Suchbewegungen der Artikulationsorgane (Lippen, Zunge, Kiefer…) verbunden. Bei Wiederholungen können die Fehler variieren. Die Sprechgeschwindigkeit ist häufig vermindert, die Wortbetonung falsch, Vokale werden gedehnt gesprochen und es kann zu einer silbischen Sprechweise kommen.

Verbale Entwicklungsdyspraxie

Die Symptome sind mit denen der Sprechapraxie (Planung von Sprechbewegungen) vergleichbar.

Schon früh zeigen betroffene  Säuglinge/ Kinder Probleme bei der Nahrungsaufnahme. Sie verschlucken sich häufig, weil der Ablauf von Saugen-Schlucken-Atmen beeinträchtigt ist. Auch kann beobachtet werden, dass die Kinder grobmotorisch ungeschickt sind (z.B. häufiges Stolpern). Die Sprachentwicklung dieser Kinder ist dadurch gekennzeichnet, dass sie nur wenige Laute produzieren. In den ersten Lautproduktionen fehlen die Konsonanten, sie produzieren eine Art „Vokalsprache“ (z. B. „aaoo“). Sie werden auch als „stille Babys“ bezeichnet und haben einen verspäteten Sprechbeginn.

Lese-Rechtschreib-Störung (LRS)


Bei einer Lese-Rechtschreib-Störung hat das Kind bei einer durchschnittlichen Intelligenz ausschließlich in den Bereichen Lesen und/oder Schreiben große Schwierigkeiten. Wird im Kindesalter die LRS nicht festgestellt und behandelt, so kann sie bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Wichtige Vorläuferfunktionen entwickeln sich bereits im Vorschulalter.

Beispiele: 

  • Beim Schreiben: Auslassen oder Vertauschen von Buchstaben, Probleme beim Abschreiben oder ein unharmonisches Schriftbild
  • Erschwertes Lesenlernen, fehlendes Leseverständnis
  • Eingeschränkte phonologische Bewusstheit: Reimen, Lauterkennung oder Wahrnehmungsprobleme, auditive Merkschwäche oder visuelle Differenzierungsschwäche
  • Seelische Auffälligkeiten, u.a. Unsicherheiten oder Ängste

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